Ich mag Internetradio, d.h. die Möglichkeiten die es hinsichtlich der Vielfalt bietet. Es hat in dieser Hinsicht etwas von Kurzwelle, allerdings weit bessere Qualität.
Zugegeben, was die Programmgestaltung betrifft, so ist es auf einigen Stationen nicht unproblematisch, sofern man überhaupt von "Programm" sprechen mag. Man überlässt dies heute gerne einem Computer, der unter Zuhilfenahme einer Zufallskomponente und meist einer Beliebtheitsstatistik Stücke aus einer Datenbank wahllos hintereinanderhängt. Der dabei benutzte Vorrat erfüllt auf dem Klassiksektor wesentlich die Kriterien alt, kurz, beliebt, wobei letzteres insbesondere auch auf Interpreten zutrifft. Nur den Hörer nicht zu sehr beanspruchen oder gar verschrecken, ruhig auch mal etwas wiederholen. — Dieser endlose Multimediabrei ist gewissermassen Un-radio, aber das findet der an Radio interessierte Hörer leicht und schnell selbst heraus. Es gibt aber eben auch sehr brauchbare Stationen, z.B. Australian Broadcasting Corporation Classic FM1, Radio New Zealand Concert (ich erinnere mich an eine abendliche Aufführung von Bruckners 6., die ich einst im Autoradio des Campingbusses hörte), NRK Alltid Klassik (Norwegen), Sveriges Radio - SR Klassiskt, die man lange und immer wieder hören kann. Einen australischen oder amerikanischen Sender hört man in Europa natürlich meist im Nachtprogramm.
Viele Sender machen Wunschsendungen, um möglichst nahe am Hörer zu sein. Es gibt sogar Hitparaden, auch wenn man sich noch ziert, es so zu nennen. Diese Sendungen haben trotz aller Bedenklichkeiten ein grosses Plus: man bekommt gelegentlich Stücke zu hören, die man möglicherweise nicht kennt, selten gespielte Sachen — Vaugn-Williams, Webern, Schönberg, Enescu, gelegentlich Skandinavier. Selten detailliert, selbstverständlich, auch immer nur kurz, aber vielleicht merkt man sich doch ein Stück und sucht demnächst im CD-Laden einmal explizit danach.
14.09.2009
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